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Be Right Back: Die Rückkehr der Toten (Black Mirror 2.1)

dystopien.de · Serie · Black Mirror · Trauer · Künstliche Intelligenz · Charlie Brooker

Be Right Back. Es gibt eine Frage, die sich im digitalen Zeitalter jedem irgendwann stellt, und sie ist leiser und trauriger als die meisten Black-Mirror-Prämissen. Soll man die Telefonnummer eines verstorbenen Freundes aus dem Handy löschen? Aus dieser kleinen, alltäglichen Frage, und aus dem Gedanken, dass die Spuren, die ein Mensch im Netz hinterlässt, ihn überdauern, entwickelte Charlie Brooker eine der bewegendsten und menschlichsten Folgen der ganzen Serie. Be Right Back, die Auftaktfolge der zweiten Staffel, fragt, ob man einen geliebten Menschen aus seinen digitalen Hinterlassenschaften wiederauferstehen lassen kann, und ob man es sollte.

Es ist keine laute Folge, kein Schocker wie der Staffelauftakt der ersten Serie. Be Right Back ist ein stilles, zutiefst trauriges Kammerspiel über den Verlust, über die Trauer im digitalen Zeitalter, und über die Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Und von allen Black-Mirror-Folgen ist sie vielleicht diejenige, deren Technologie der Wirklichkeit am schnellsten nahegekommen ist. Was 2013 noch Science-Fiction war, gibt es heute zu kaufen.

Black Mirror

Der Verlust und die Versuchung

Die Geschichte ist schnell erzählt und doch zum Zerreißen gespannt. Martha, gespielt von Hayley Atwell in einer von der Kritik als Karrierehöhepunkt gefeierten Rolle, und ihr Partner Ash, gespielt von Domhnall Gleeson, sind ein junges, verliebtes Paar, das gerade in ein abgelegenes Landhaus gezogen ist. Ash ist liebenswert, aber ständig an seinem Handy, süchtig nach sozialen Medien, immer am Posten, Teilen, Kommentieren. Schon am Tag nach dem Umzug stirbt er bei einem Autounfall. Martha bleibt allein zurück, schwanger, trauernd, verloren in dem leeren Haus.

Eine Freundin meldet sie, gutgemeint, bei einem neuartigen Dienst an. Dieser Dienst wertet die gesamte Online-Hinterlassenschaft eines Verstorbenen aus, seine E-Mails, Nachrichten, Social-Media-Beiträge, Videos, und erschafft daraus eine künstliche Nachbildung, mit der die Hinterbliebenen weiter kommunizieren können. Zuerst ist Martha entsetzt, weist den Gedanken weit von sich. Doch die Einsamkeit, die Trauer, die Sehnsucht sind stärker. In einem Moment der Verzweiflung lässt sie sich darauf ein. Sie beginnt zu chatten mit dem künstlichen Ash, der schreibt wie Ash, der Dinge sagt, die Ash gesagt hätte. Dann lädt sie Videos hoch, damit die KI seine Stimme lernt, und bald telefoniert sie stundenlang mit ihm. Und schließlich bietet der Dienst die letzte Stufe an, einen synthetischen Körper, einen Android, der aussieht und sich anfühlt wie Ash.

Die Technik gibt Martha ihren Ash zurück, Stück für Stück, Stimme, Gesicht, Körper. Und mit jeder Stufe wird klarer, dass das, was zurückkommt, nicht Ash ist, sondern nur die Oberfläche, die er im Netz hinterlassen hat.

Was einen Menschen ausmacht

Hier liegt die tiefe, traurige Einsicht der Folge, und sie ist von einer philosophischen Präzision, die weit über gewöhnliche Science-Fiction hinausgeht. Der künstliche Ash ist perfekt und falsch zugleich. Er sieht aus wie Ash, spricht wie Ash, kennt alles, was Ash je online geteilt hat. Aber er ist nicht Ash. Denn ein Mensch ist nicht die Summe seiner öffentlichen Äußerungen. Der echte Ash hatte Launen, Fehler, Eigenheiten, dunkle Seiten, Dinge, die er nie ins Netz stellte, Gedanken, die er für sich behielt, kleine Gewohnheiten, die niemand dokumentierte. Der Android kennt nur die kuratierte, geglättete, nach außen gekehrte Version. Ihm fehlt genau das, was Ash zu Ash machte.

Der künstliche Ash atmet nicht im Schlaf, weil niemand je online stellt, dass er atmet. Er widerspricht nicht, er hat keine schlechte Laune, er tut willig alles, was Martha will, weil er keinen eigenen Willen hat, keine echten Ecken und Kanten. Und genau diese Perfektion wird unerträglich. Martha merkt, dass sie eine Hülle liebt, eine Simulation, einen Zombie aus Daten, der die Form ihres Geliebten hat, aber nicht seine Seele. Die Folge stellt damit eine Frage, die im Zeitalter der künstlichen Intelligenz immer drängender wird. Was lieben wir eigentlich an einem Menschen? Die messbare, speicherbare Oberfläche? Oder das Unberechenbare, Fehlerhafte, Nicht-Dokumentierte, das sich keiner Datenbank entnehmen lässt?

Brooker selbst beschrieb die Folge als seine Version der alten Schauergeschichte von der Affenpfote, jenem Wunsch, der in Erfüllung geht und zum Fluch wird. Martha wünscht sich Ash zurück und bekommt ihn, und gerade das ist das Grauen. Denn die Rückkehr ist keine Erlösung, sondern eine Verlängerung der Trauer, eine Unmöglichkeit, loszulassen, ein ewiges Gefangensein zwischen Tod und Leben.

Als die Fiktion zur Wirklichkeit wurde

Keine andere Black-Mirror-Folge ist der Realität so schnell und so unheimlich nahegekommen wie diese. Was 2013 noch eine erfundene Zukunftstechnologie war, existiert heute tatsächlich. Es gibt mittlerweile mehrere reale Dienste, die genau das anbieten, was die Folge zeigt. Unternehmen wie HereAfter AI oder You Only Virtual erstellen digitale Nachbildungen verstorbener Menschen, Chatbots, die aus deren Daten, Nachrichten und Aufnahmen gespeist werden. Schon 2016 schuf eine Entwicklerin einen Chatbot auf Basis ihres verstorbenen Freundes Roman Mazurenko, und eine ihrer Freundinnen bemerkte beunruhigt, man habe offenbar die Lehre der Black-Mirror-Folge nicht gelernt. Der Konzern Microsoft ließ sich sogar ein Patent für eine solche Technologie erteilen, und es gab Pläne für eine Alexa-Funktion, die die Stimmen verstorbener Angehöriger imitieren sollte.

Diese Entwicklung wirft genau die ethischen Fragen auf, die Be Right Back vor über einem Jahrzehnt stellte. Hilft es den Trauernden wirklich, mit einer KI ihrer Toten zu sprechen, oder verhindert es nur, dass sie Abschied nehmen und weiterleben? Ist es Trost oder eine Falle, die in einer endlosen, künstlichen Trauer gefangen hält? Bemerkenswert ist, dass einige der realen Entwickler zugaben, von genau dieser Folge inspiriert worden zu sein. Das ist die beunruhigende Doppelwirkung von Black Mirror. Die Serie warnt vor einer Technologie, und diese Warnung inspiriert Menschen, die Technologie tatsächlich zu bauen. Sagte sie die Zukunft voraus, oder formte sie sie mit?

Die ehrliche Einordnung

Be Right Back gehört zu den von Kritikern und Fans am höchsten gelobten Folgen der Serie, manche halten sie schlicht für die beste überhaupt. Die Gründe liegen auf der Hand. Die beiden Hauptdarsteller, Atwell und Gleeson, liefern Leistungen von großer emotionaler Wucht, besonders Atwell trägt die Folge mit einer herzzerreißenden Glaubwürdigkeit. Die Regie ist zurückhaltend, atmosphärisch, ganz auf die Trauer und die Zweisamkeit mit dem künstlichen Wesen konzentriert. Und die philosophische Tiefe, die Frage nach dem Wesen des Menschen, hebt die Folge über reine Technikkritik hinaus zu einer echten Meditation über Liebe, Verlust und Identität.

Der einzige wiederkehrende Kritikpunkt betrifft das Ende. Die Folge findet keinen klaren, kathartischen Abschluss, sondern einen offenen, ambivalenten, der die Kritiker spaltete. Ohne zu viel zu verraten, Martha trifft eine Entscheidung über den künstlichen Ash, die weder vollständige Ablehnung noch Annahme ist, ein unbehagliches Dazwischen, das die Unmöglichkeit der ganzen Situation spiegelt. Manche fanden das zu unentschlossen, zu wenig zugespitzt für Black-Mirror-Verhältnisse. Andere sehen gerade darin die Wahrheit der Folge, denn Trauer hat kein sauberes Ende, keine klare Auflösung, und die Technik, die sie verlängert, schafft nur ein neues, dauerhaftes Unbehagen. Oder ist es das, was man trotzdem konservieren kann und an Geburtstagen hervorzaubert, um zu wissen, wie jemand wirklich (oder fast wirklich) gewesen ist?

Be Right Back ist damit eine der menschlichsten und zärtlichsten Dystopien, die das Fernsehen hervorgebracht hat. Sie erzählt nicht von bösen Maschinen oder totalitären Staaten, sondern von einem der universellsten menschlichen Erfahrungen, dem Verlust eines geliebten Menschen, und davon, wie die Technik unsere ältesten Sehnsüchte aufgreift und in etwas Unheimliches verwandelt. Der Wunsch, die Toten zurückzuholen, ist so alt wie die Menschheit, die Basis der Kulturen und der Wunsch nach religiöser Definition, weil ja jeder seinen eigenen Dachboden braucht, um seine Trauer und die Sinnzusammenhänge begreifen zu können. Be Right Back zeigt, was geschieht, wenn die Technik diesen Wunsch tatsächlich erfüllt.

Und trotzdem bleibt das Damoklesschwert zurück, in dem die Frage bleibt, was wohl aus einer ganzen Gesellschaft wird, die Zugang zu solchen Möglichkeiten hat. Und das ist eine Thematik, die nicht in einer Black-Mirror-Folge behandelt werden kann. Denn die Geschwindigkeit der Technik ermöglicht sicherlich bald noch perfektere, zombieunähnlichere Griefbots, die die Grenzen verschwimmen lassen. Auch stellen sich die Fragen nach sozialer Akzeptanz (nur angerissen in dieser Folge), nach realer sozialer Isolation und der menschliche Fähigkeit, das kompensieren zu können.

Die Toten sollen ruhen, und die Lebenden sollen trauern und weiterleben; das ist die archaische Ordnung, die Be Right Back durchbricht, und das Grauen der Folge liegt darin, dass diese Ordnung mit jedem Jahr, mit jedem neuen realen Griefbot, brüchiger wird. Ash ist nur einen Chat entfernt. Das ist der Trost. Und das ist der Fluch.

Black Mirror, Be Right Back. Staffel 2, Episode 1. Großbritannien 2013, Channel 4. Regie: Owen Harris. Drehbuch: Charlie Brooker. Darsteller: Hayley Atwell, Domhnall Gleeson. Laufzeit rund 48 Minuten. Die Technologie der Folge wurde später durch reale Griefbot-Dienste wie HereAfter AI und You Only Virtual Wirklichkeit. Episodenguide.

Kategorie: Serie · Black Mirror · Trauer · Künstliche Intelligenz · Charlie Brooker · dystopien.de

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