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Metalhead. Es gibt ein Bild, das in den vergangenen Jahren viele Menschen beunruhigt hat, die Videos der Firma Boston Dynamics, in denen vierbeinige Roboter über Hindernisse springen, Treppen steigen, nach einem Tritt das Gleichgewicht halten, unaufhaltsam, unermüdlich, seltsam lebendig und zugleich seelenlos. Charlie Brooker sah diese Videos und stellte eine einzige, naheliegende Frage. Was, wenn man eine Waffe darauf montiert? Aus dieser Frage entstand Metalhead, die fünfte Folge der vierten Staffel von Black Mirror, ein karger, atemloser, in strengem Schwarzweiß gefilmter Überlebensfilm, der von einem Menschen erzählt, der vor einem solchen Roboterhund flieht, einer Maschine, die nur ein Ziel kennt: töten.
Metalhead ist die radikalste, reduzierteste Folge der ganzen Serie. Mit nur einundvierzig Minuten ist sie die kürzeste, und sie verzichtet auf fast alles, was Black Mirror sonst ausmacht. Keine verschachtelte Handlung, kaum Dialog, keine komplexe Gesellschaftsanalyse. Stattdessen pure, nackte Spannung, ein einziger, unerbittlicher Überlebenskampf, gefilmt in kühlem, körnigem Schwarzweiß, das der Folge die Anmutung eines alten, verlorenen Dokuments verleiht, einer Nachricht aus einer Welt, die bereits untergegangen ist.

Die Jagd
Die Welt von Metalhead ist eine postapokalyptische. Die menschliche Gesellschaft ist zusammengebrochen, aus unerklärten Gründen, und was von der Technik übrig blieb, hat sich gegen die Menschen gewandt. Die Roboterhunde, im Film nur die Hunde genannt, durchstreifen das verwüstete Land und töten jedes Lebewesen, das ihnen begegnet. Sie sind vierbeinig, metallisch, schnell, intelligent, ausgestattet mit Waffen, mit Sensoren, mit der Fähigkeit, ihre Beute über große Entfernungen zu verfolgen. Sie kennen keine Müdigkeit, keine Gnade, keine Ablenkung. Sie sind reine, zielgerichtete Tötungsmaschinen.
Im Zentrum steht Bella, gespielt von Maxine Peake, die zu Beginn mit zwei Gefährten unterwegs ist, auf einer Mission, eine Kiste aus einem Lagerhaus zu bergen. Doch die Mission scheitert katastrophal. Einer der Roboterhunde greift an, tötet ihre Begleiter, und Bella bleibt als einzige Überlebende zurück, allein, verfolgt von der Maschine, die sich nun unerbittlich an ihre Fersen heftet. Von diesem Moment an ist die Folge ein einziger, atemloser Fluchtfilm. Bella rennt, versteckt sich, kämpft, improvisiert, nutzt jede List, jede Gelegenheit, um der Maschine zu entkommen. Sie klettert auf einen Baum, den der Hund nicht erklimmen kann, doch der Hund schaltet einfach in den Energiesparmodus und wartet geduldig, bis sie herunterkommen muss. Sie blendet seine Sensoren mit Farbe, sie flüchtet in ein Haus, in ein Auto, doch der Hund bleibt an ihr dran, weil er sie mit winzigen Tracker-Splittern markiert hat, die sich in ihre Haut gebohrt haben und ihre Position verraten.
Der Hund ist der perfekte Jäger. Er wird nicht müde, nicht abgelenkt, nicht entmutigt. Er kennt kein Zögern, keine Angst, kein Mitleid. Er verfolgt sein Ziel mit der eisigen Geduld der Maschine, und er hört niemals auf. Niemals.
Das karge Ende
Metalhead gönnt dem Zuschauer kein Aufatmen und keine Erlösung. Bella kämpft bis zum Letzten, und tatsächlich gelingt es ihr, den Roboterhund, der sie die ganze Folge lang jagt, zu zerstören. Es ist ein Triumph, aber ein vergeblicher. Denn im Moment seiner Zerstörung feuert der Hund ein letztes Mal, verschießt eine Ladung der Tracker-Splitter, und diese bohren sich nun in Bellas Gesicht, in ihren Hals, nahe der Halsschlagader. Als Bella in einen Spiegel blickt, sieht sie die winzigen Marker in ihrer Haut, überall, unentfernbar, ohne sich dabei tödlich zu verletzen. Und sie weiß, was das bedeutet. Die Splitter senden ihr Signal, und weitere Hunde sind bereits auf dem Weg. Es gibt kein Entkommen mehr.
Bella, erschöpft, verwundet, dem Tod geweiht, trifft eine letzte Entscheidung. Sie versucht noch, über Funk ihre Angehörigen zu erreichen, und nimmt sich dann selbst das Leben, bevor die Hunde kommen, um dem langsameren, grausameren Tod zuvorzukommen. Es ist ein stilles, verzweifeltes Ende, das den Zuschauer erschüttert zurücklässt.
Und dann kommt die bittere Enthüllung, die der ganzen vergeblichen Flucht erst ihren Sinn und ihre Tragik gibt. Die Kiste, um die alles begann, für die Bella und ihre Gefährten ihr Leben riskierten, gegen die tödlichen Maschinen, enthielt keine Waffen, keine Vorräte, keine lebensrettende Technik. Sie enthielt Teddybären. Bella und ihre Gefährten hatten die tödliche Mission auf sich genommen, um einem sterbenden Kind einen Teddybären zu bringen, einen letzten Trost, einen letzten Funken Menschlichkeit in einer Welt, die von Grausamkeit und Tod beherrscht wird. Es war die Liebe, die sie in den Tod trieb, der Wunsch, einem Kind in seinen letzten Tagen etwas Schönes zu geben. Und sie scheiterten, und das Kind wird allein sterben, ohne den Teddybären, ohne Trost.
Die ehrliche Einordnung
Metalhead ist eine der am meisten polarisierenden Folgen der Serie, und die Reaktionen gehen weit auseinander. Die Kritik lobte fast einhellig die handwerkliche Ausführung. Maxine Peakes Darstellung, fast ohne Dialog, ein physisches, körperliches Spiel von Terror und Zähigkeit, wurde als herausragend gefeiert. David Slades Regie, die kühle Schwarzweiß-Ästhetik, die atemlose Spannung, das beklemmende Design des Roboterhundes, all das fand hohe Anerkennung. Als reines Stück Spannungskino, als Überlebensthriller, funktioniert Metalhead hervorragend, einundvierzig Minuten pure, unerbittliche Anspannung.
Doch genau an der Reduktion scheiden sich die Geister. Der häufigste Einwand lautet, dass Metalhead zu dünn sei, zu simpel, zu wenig Black Mirror. Wo andere Folgen komplexe gesellschaftliche, psychologische, philosophische Fragen verhandeln, ist Metalhead im Kern nur eine Verfolgungsjagd, Mensch gegen Maschine, ohne tiefere Botschaft, ohne überraschende Wendung, ohne den intellektuellen Reichtum der stärksten Folgen. Für manche ist diese Reduktion eine mutige, erfrischende Konzentration auf das Wesentliche, ein purer Adrenalinstoß. Für andere ist sie eine Enttäuschung, eine Folge, die zwar handwerklich brilliert, aber gedanklich wenig zu bieten hat. Die kurze Laufzeit verstärkt diesen Eindruck, Metalhead fühlt sich mehr wie ein kunstvoller Kurzfilm an als wie eine vollwertige Episode.
Doch bei näherem Hinsehen hat Metalhead mehr zu sagen, als die schlichte Oberfläche vermuten lässt, und das macht die Folge für dystopien.de wertvoll. Zum einen ist ihre technologische Warnung von beklemmender Aktualität. Die Roboterhunde sind keine ferne Fantasie, sie sind, mit minimaler Übertreibung, die Boston-Dynamics-Roboter unserer Gegenwart, und die Frage, was geschieht, wenn man solche Maschinen bewaffnet und als autonome Jäger einsetzt, ist keine Science-Fiction mehr, sondern Gegenstand realer militärischer Entwicklung. Autonome Waffensysteme, Killer-Roboter, Maschinen, die selbständig über Leben und Tod entscheiden, all das wird bereits gebaut, und Metalhead zeigt die Welt, die daraus erwachsen könnte, eine Welt, in der die Jäger niemals aufhören, niemals ermüden, niemals Gnade kennen.
Zum anderen, und das ist die eigentliche Tiefe der Folge, liegt ihr Kern nicht in der Maschine, sondern im Menschen. Die Enthüllung mit den Teddybären verwandelt den brutalen Überlebensfilm rückwirkend in eine Geschichte über Menschlichkeit, über Liebe, über die Frage, wofür es sich zu sterben lohnt. In einer Welt, die von seelenlosen Tötungsmaschinen beherrscht wird, riskieren Menschen ihr Leben, nicht für sich selbst, nicht für Vorräte oder Waffen, sondern um einem sterbenden Kind einen Teddybären zu bringen, eine sinnlose, rührende, zutiefst menschliche Geste. Das ist der Kontrast, den die Folge aufbaut. Die kalte, zweckrationale Effizienz der Maschine gegen die unvernünftige, verschwenderische, liebende Menschlichkeit. Die Maschine tötet ohne Grund, der Mensch stirbt aus Liebe. Und am Ende verliert die Menschlichkeit, der Teddybär erreicht das Kind nicht, und doch war der Versuch das Schönste, was diese düstere Welt noch zu bieten hatte.
Metalhead ist damit eine Parabel über das, was von uns bleibt, wenn alles zusammengebrochen ist. Nicht die Technik, die uns überlebt und sich gegen uns wendet, sondern die kleinen, sinnlosen, liebevollen Gesten, mit denen Menschen einander noch im Untergang Trost zu spenden versuchen. Der Hund, der niemals aufhört, ist das Bild einer entfesselten Technik, die kein Ziel mehr kennt außer der Vernichtung. Der Teddybär, der sein Ziel nie erreicht, ist das Bild einer Menschlichkeit, die sich bis zuletzt behauptet, auch wenn sie scheitert. Zwischen diesen beiden Bildern spannt sich die ganze düstere, traurige Wahrheit dieser Folge auf. Die Maschinen werden uns überdauern. Aber was uns zu Menschen machte, war nie die Technik. Es war die Liebe, die uns in den Tod trieb, für einen Teddybären.
Black Mirror, Metalhead. Staffel 4, Episode 5. Großbritannien/USA 2017, Netflix. Regie: David Slade. Drehbuch: Charlie Brooker. Darsteller: Maxine Peake, Jake Davies, Clint Dyer. Laufzeit rund 41 Minuten, die kürzeste Folge der Serie. Komplett in Schwarzweiß gefilmt. Die Roboterhunde sind von den realen Boston-Dynamics-Robotern wie BigDog inspiriert. Episodenguide.
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