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Common People: Dein Gehirn ist jetzt ein Abonnement (Black Mirror 7.1)

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Common People. Es gibt ein Geschäftsmodell, das in den letzten Jahren alles erobert hat. Das Abonnement. Wir zahlen monatlich für Musik, für Filme, für Software, für Dinge, die uns früher einmal gehörten und die wir heute nur noch mieten. Common People, die Auftaktfolge der siebten Staffel, treibt diese Logik an ihr grausiges Ende. Sie fragt. Was, wenn nicht mehr dein Streamingdienst ein Abo ist, sondern dein Gehirn? Was, wenn dein eigenes Bewusstsein, dein Weiterleben, an eine monatliche Zahlung gekoppelt wäre, mit Tarifstufen, Preiserhöhungen und, ja, mit Werbung?

Es ist eine der bittersten, traurigsten Folgen der ganzen Serie, zurück beim klassischen Black-Mirror-Rezept, eine einzige Technologie, konsequent zu Ende gedacht, bis sie dem Zuschauer das Herz bricht.

Black Mirror

Das Rivermind-Abo

Mike und Amanda, gespielt von Chris O’Dowd und Rashida Jones, sind ein liebevolles Arbeiterpaar, bodenständig, ohne Vermögen, aber glücklich miteinander. Dann wird bei Amanda ein Hirntumor festgestellt, unheilbar nach den Maßstäben herkömmlicher Medizin. In ihrer Verzweiflung stößt Mike auf ein Unternehmen namens „Rivermind”, das eine revolutionäre Behandlung anbietet. Der zerstörte Teil von Amandas Gehirn wird entfernt und durch eine synthetische Nachbildung ersetzt, deren Funktion über die Cloud bereitgestellt wird. Amanda lebt weiter, denkt weiter, ist weiter sie selbst. Es gibt nur einen Haken. Diese Hirnfunktion ist ein Abonnement, und die monatliche Gebühr muss bezahlt werden, sonst schaltet sich der Dienst ab.

Zunächst scheint alles gut. Amanda ist gerettet, der Grundtarif erschwinglich. Doch dann beginnt die Spirale, die jeder kennt, der je ein Abo hatte. Der Grundtarif deckt nicht mehr alles ab. Amandas synthetisches Gehirn funktioniert nur in bestimmten geografischen Zonen, will sie reisen, braucht sie ein teureres Paket. Sie beginnt im Schlaf unkontrolliert zu reden und gibt dabei Werbebotschaften von sich, denn der günstige Tarif finanziert sich, wie kostenloses Fernsehen, über Reklame, die aus ihrem eigenen Mund kommt. Wer das abschalten will, muss zahlen. Und die Preise steigen, Stufe um Stufe, „Rivermind Plus”, „Rivermind Lux”, immer teurer, immer unverzichtbarer.

Sie haben ihr Leben gerettet und es in ein Abonnement verwandelt. Jede Preiserhöhung ist jetzt eine Frage auf Leben und Tod.

Der Preis des Weiterlebens

Mike und Amanda geraten in einen Abwärtsstrudel, der mit kalter Logik erzählt wird. Um die steigenden Gebühren zu bezahlen, arbeitet Mike immer mehr, nimmt Zusatzschichten, erniedrigt sich schließlich für Geld, indem er sich auf einer Streaming-Plattform selbst Schmerzen zufügt, zur Belustigung zahlender Zuschauer. Das Paar verkauft seinen Besitz, opfert seine Zukunftspläne, zerreibt sich zwischen Arbeit und Verzweiflung. Und Amanda, die immer größere Mengen des Dienstes braucht, um überhaupt wach und klar zu bleiben, verbringt immer mehr Zeit in einem dämmerigen, werbedurchsetzten Halbschlaf.

Das Ende dieser Folge gehört zum Härtesten, was Black Mirror je gezeigt hat, und es soll hier nicht ausgesprochen werden. Nur so viel. Die Folge verweigert jede Rettung, jede Wendung zum Guten. Sie führt die Logik des Abo-Modells bis zu dem Punkt, an dem ein Mensch sich nicht mehr leisten kann zu leben, und sie lässt ihre Figuren mit einer Entscheidung allein, die niemand treffen sollte.

Die ehrliche Einordnung

Common People ist von vielen Kritikern als Rückkehr zur alten Stärke der Serie gefeiert worden, und das zu Recht. Nach den Genre-Experimenten der sechsten Staffel ist dies wieder reinstes Black Mirror. Eine klare, einzige Idee, das Gehirn als Abonnement, zu Ende gedacht mit unerbittlicher Konsequenz. O’Dowd und Jones spielen das Paar mit einer Wärme und Verletzlichkeit, die den Schmerz der Geschichte erst voll zur Geltung bringt. Man leidet mit ihnen, weil sie so gewöhnlich sind, so nah an jedem von uns.

Und darin liegt die Wucht der Folge. Sie braucht keine ferne Zukunft, um zu treffen, denn ihr Thema ist längst Gegenwart. Die Abo-Ökonomie hat alles durchdrungen, wir mieten unsere Musik, unsere Software, unsere Autos, und immer öfter stellt sich die Frage, was uns eigentlich noch gehört. Common People überträgt das auf das Letzte, was einem Menschen bleiben sollte, den eigenen Verstand, das eigene Leben. Die Tarifstufen, die Preiserhöhungen, die Werbung, die aus dem Mund der Kranken kommt, das alles ist nur eine kleine Übertreibung dessen, was wir bereits akzeptiert haben. Die Folge fragt. Wie weit lassen wir die Logik der Monetarisierung in unsere Körper hinein? Und wer entscheidet über den Preis, wenn das Produkt das eigene Weiterleben ist?

Besonders bitter ist die Sozialkritik, die in der Folge mitschwingt und die im Titel steckt. Common People, die einfachen Leute. Es sind die Armen, die Arbeiter, die hier gefangen sind. Wer Geld hat, kann sich den Luxus-Tarif leisten und lebt sorglos weiter. Wer keines hat, muss sich zwischen dem Ruin und dem Tod entscheiden. Die Folge zeigt eine Zwei-Klassen-Medizin, in der selbst das Bewusstsein zur Ware wird und der Kontostand darüber entscheidet, wie klar ein Mensch noch denken darf. Das ist dystopische Gesellschaftskritik in ihrer reinsten Form, und es ist ein Auftakt, der klarmacht, dass die siebte Staffel die Serie zu ihren Wurzeln zurückführt. Zur Technologie, die nicht an sich böse ist, sondern zum Werkzeug wird, in den Händen eines Systems, das aus allem ein Abonnement macht.

Black Mirror, Common People. Staffel 7, Episode 1. Großbritannien/USA 2025, Netflix. Regie: Ally Pankiw. Drehbuch: Charlie Brooker und Bisha K. Ali. Darsteller: Rashida Jones, Chris O’Dowd, Tracee Ellis Ross. Laufzeit rund 55 Minuten. Episodenguide.

Kategorie: Serie · Black Mirror · Abo-Ökonomie · Künstliche Intelligenz · Gesundheitssystem · Charlie Brooker · dystopien.de

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