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Fallout 4: Der Krieg, der niemals endet

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Es gibt einen Satz, der die gesamte Fallout-Reihe zusammenfasst, und er fällt in jedem Teil: War. War never changes. Krieg. Krieg ändert sich nie. Fünf Worte, die den Kern einer der bedeutendsten Videospielreihen der Geschichte tragen — und die Fallout 4, erschienen 2015, so unbequem aktuell machen wie den ersten Teil von 1997.

Fallout spielt in einem Amerika, das es so nie gab — und das trotzdem beunruhigend vertraut ist. Eine Zukunft, wie man sie sich in den fünfziger Jahren vorstellte: Atomkraft für alles, Roboterdiener, glänzender Optimismus, Chromblech und Kernenergie. Und dann, 2077, der Atomkrieg. Die Bomben fallen. Die Zukunft der fünfziger Jahre endet in radioaktiver Asche.

Fallout 4 setzt zweihundert Jahre später ein, im verstrahlten Ödland rund um das ehemalige Boston — dem Commonwealth. Und es stellt die Frage, die die ganze Reihe stellt: Was baut die Menschheit wieder auf, wenn sie noch einmal von vorn anfangen darf? Die Antwort ist ernüchternd. Dieselben Fehler. Dieselbe Gier. Denselben Krieg.

Retrofuturismus: Die Zukunft, die nie kam

Das visuelle Konzept von Fallout ist einer der genialsten Kunstgriffe der Spielegeschichte. Die Welt basiert auf dem Zukunftsoptimismus der amerikanischen fünfziger Jahre — der Ära, in der man glaubte, Atomkraft würde alle Probleme lösen, Roboter würden den Haushalt führen und die Vorstadt-Idylle würde ewig währen.

Fallout nimmt diesen Optimismus und lässt ihn in der Katastrophe enden. Die fröhlichen Werbeplakate, die Swing-Musik aus dem Radio, die knuffigen Roboter — all das existiert weiter, aber inmitten von Ruinen, Skeletten und Strahlung. Der Kontrast zwischen der heiteren Ästhetik und der grauenhaften Realität ist die eigentliche Aussage: Der amerikanische Traum, wörtlich in die Luft gesprengt.

Das Maskottchen der Reihe, Vault Boy — ein grinsender Cartoon-Junge, der mit erhobenem Daumen die Vorzüge des Überlebens im Atombunker anpreist — ist der perfekte Ausdruck dieser Ironie. Fröhlichkeit als Fassade über dem Abgrund. Werbung für die Apokalypse.

Die Vaults: Menschenexperimente im Namen der Sicherheit

Das dunkelste Element der Fallout-Welt sind die Vaults — die unterirdischen Atombunker, gebaut vom Konzern Vault-Tec, um Teile der Bevölkerung vor dem Atomkrieg zu retten. So die offizielle Version.

Die Wahrheit, die man im Laufe der Spiele Stück für Stück aufdeckt, ist grauenhafter. Die meisten Vaults waren nie zur Rettung gedacht. Sie waren geheime Menschenexperimente. In einem Vault wurde die Wirkung von jahrelanger Isolation getestet. In einem anderen die Reaktion auf eine ständig wachsende Bedrohung. In wieder anderen wurden Menschen mit Drogen, mit Panik, mit sozialen Extremsituationen konfrontiert — ohne ihr Wissen, ohne ihre Zustimmung.

Vault-Tec ist die zentrale dystopische Institution der Reihe: ein Konzern, der die Angst vor dem Atomkrieg nutzt, um Menschen als Versuchskaninchen zu verwenden. Die Bunker, die Sicherheit versprachen, waren Labore. Der Schutz war eine Lüge. Und der Konzern, der davon profitierte, hat den Krieg nicht verhindert — er hat ihn als Geschäftsmodell begriffen.

Die Bomben haben die Menschheit nicht getötet. Die Menschen, die aus den Bomben Profit schlugen, hatten das längst getan.

In Fallout 4 wird das besonders persönlich: Der Spielcharakter selbst überlebt den Atomkrieg in einem dieser Vaults — und erwacht, um festzustellen, dass der Bunker eine Kryostase-Falle war, in der die Bewohner eingefroren und als Versuchsobjekte gehalten wurden.

Der Sole Survivor: Ein Elternteil im Ödland

Fallout 4 gibt seinem Protagonisten — dem Sole Survivor — erstmals in der Reihe eine klare Vorgeschichte und Stimme. Man erlebt kurz die heile Welt vor dem Krieg: Familie, Vorstadthaus, ein Baby namens Shaun. Dann fallen die Bomben. Man flieht in den Vault. Man wird eingefroren. Und man erwacht, um mitanzusehen, wie der eigene Ehepartner ermordet und das Kind entführt wird.

Die Haupthandlung ist eine Elternsuche: die Jagd nach dem entführten Sohn durch das Ödland. Das gibt dem Spiel eine emotionale Achse, die es von den offeneren Vorgängern unterscheidet. Es ist auch der Punkt, an dem sich die Kritik entzündet — dazu gleich mehr.

Auf der Suche begegnet man den Fraktionen des Commonwealth, und hier wird Fallout 4 wieder stark: Jede Fraktion verkörpert eine Ideologie, eine Antwort auf die Frage, wie man eine zerstörte Welt wieder aufbauen sollte.

Die Fraktionen: Vier Wege, dieselbe Frage

Das Herz von Fallout 4 sind seine Fraktionen — und die Unmöglichkeit, sich einfach zu entscheiden.

Da ist die Brotherhood of Steel, ein militaristischer Orden, der Technologie kontrollieren will, weil er glaubt, dass ungezügelte Technik die Menschheit einmal schon zerstört hat. Ihre Disziplin ist Stärke und Faschismus zugleich.

Da ist das Institute — die technologische Elite, die im Untergrund lebt und künstliche Menschen erschafft, die Synths. Sie sind der Fortschritt, aber ein Fortschritt ohne Ethik, der Menschen erschafft und wie Werkzeuge behandelt.

Da ist die Railroad, die für die Befreiung dieser Synths kämpft — die Frage stellend, ob ein künstlich erschaffenes Wesen mit Bewusstsein ein Recht auf Freiheit hat. Es ist die Sklavereifrage der Fallout-Welt, direkt und unbequem.

Und da sind die Minutemen, der Versuch eines demokratischen Wiederaufbaus von unten, gemeinschaftlich, verletzlich.

Keine dieser Fraktionen hat einfach recht. Jede verlangt Kompromisse, die wehtun. Das ist Fallout in seiner besten Form: Es zwingt den Spieler, sich zu positionieren — und macht jede Position teuer.

Die ehrliche Einordnung: Wo Fallout 4 schwächelt

Es muss gesagt werden, weil dystopien.de ehrlich einordnet: Fallout 4 ist unter langjährigen Fans der umstrittenste Hauptteil der Reihe. Der Grund ist die Verschiebung des Fokus. Bethesda hat das Spiel spielerisch verbessert — das Schießen fühlt sich besser an, das Basisbau-System ist neu und motivierend, die Welt ist dichter als je zuvor.

Aber erzählerisch ist Fallout 4 flacher als seine Vorgänger. Die vorgegebene Elternrolle schränkt das Rollenspiel ein — man ist ein trauernder Vater oder eine trauernde Mutter, egal was man selbst spielen möchte. Die Dialogoptionen wurden vereinfacht, die moralischen Grauzonen, für die frühere Teile wie Fallout: New Vegas gefeiert wurden, wurden reduziert. Wer Fallout wegen seiner erzählerischen Tiefe liebt, empfand Fallout 4 als Rückschritt.

Das erklärt Platz 13. Fallout 4 ist ein exzellentes Spiel und eine großartige Dystopie — aber es ist nicht der beste Teil seiner eigenen Reihe.

Warum Fallout 4 auf Platz 13 unserer Liste steht

Weil es die Postapokalypse nicht als Action-Kulisse benutzt, sondern als ernsthafte Frage. Was passiert mit der Menschheit nach dem Ende? Baut sie etwas Besseres — oder wiederholt sie ihre Fehler? Fallouts Antwort ist konsequent pessimistisch: Der Krieg ändert sich nie. Die Gier, die Machtkämpfe, die Ausbeutung — all das übersteht sogar den Atomkrieg.

Und die Wurzel der Katastrophe ist keine Naturgewalt. Es sind Menschen und ihre Institutionen. Vault-Tec, das mit der Angst Geschäfte machte. Die Konzerne und Regierungen, die den Krieg heraufbeschworen. Die Fraktionen, die im Ödland dieselben Muster wiederholen. Fallout ist eine Dystopie über den Menschen selbst — verpackt in schwarzen Humor, Retro-Charme und eine der dichtesten Spielwelten, die je gebaut wurden.

Der Atomblitz von 2077 ist in Fallout kein historisches Ereignis. Er ist eine Warnung, eingefroren im Moment der Explosion. Und die Frage, die das Spiel stellt, ist die, die es seit 1997 stellt: Was, wenn wir es nicht besser machen? Was, wenn wir es nie besser machen?

Fallout 4. Entwickler: Bethesda Game Studios. Publisher: Bethesda Softworks. Erschienen: November 2015. Verfügbar auf PC, PlayStation, Xbox, Switch. Reihe gegründet 1997 von Interplay/Black Isle Studios.

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