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Metropolis (1927): Der Film, der die Zukunft erfunden hat

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Es gibt einen Grund, warum fast jeder dystopische Film, den man kennt, wie ein Nachfahre von Metropolis aussieht. Die getürmte Stadt der Reichen über der unterirdischen Welt der Arbeiter. Die Maschinen, die Menschen verschlingen. Der künstliche Mensch, der die Ordnung bedroht. Die kalte Schönheit der Zukunft und das Grauen darunter. All das steht am Anfang — in einem deutschen Stummfilm aus dem Jahr 1927.

Metropolis von Fritz Lang ist nicht einfach der erste große dystopische Film. Er ist die Quelle, aus der sich das gesamte Genre speist. Blade Runner, Brazil, Dark City, Batman, sogar Star Wars — sie alle tragen die visuelle DNA dieses Films in sich. Fast hundert Jahre alt, stumm, in Schwarzweiß — und trotzdem moderner als vieles, was danach kam.

Fritz Lang: Der Architekt des Kinos

Fritz Lang war gelernter Architekt, bevor er Regisseur wurde — und das sieht man jedem Bild von Metropolis an. Niemand hat Räume, Massen und Bauwerke im Film so komponiert wie Lang. Er dachte nicht in Szenen, sondern in Kathedralen. Seine Bildkompositionen sind von einer geometrischen Wucht, die bis heute atemberaubend ist.

Lang, geboren 1890 in Wien, wurde in der Weimarer Republik zum wichtigsten Regisseur des deutschen Kinos. Nach Metropolis drehte er M — Eine Stadt sucht einen Mörder (1931), einen der ersten und besten Psychothriller der Filmgeschichte. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde ihm angeblich die Leitung des deutschen Films angeboten — Propagandaminister Goebbels soll ein Bewunderer von Metropolis gewesen sein. Lang, dessen Mutter aus einer jüdischen Familie stammte, floh stattdessen. Er ging nach Hollywood und wurde dort ein Meister des Film noir.

Ein Detail, das die Dimension von Metropolis zeigt: Der Film war die teuerste Produktion, die das deutsche Kino bis dahin gesehen hatte. Über 30.000 Statisten. Eine Drehzeit von über einem Jahr. Ein Budget, das die produzierende UFA fast in den Ruin trieb. Lang ließ Arbeiter stundenlang in kaltem Wasser stehen, Kinder durch gefährliche Kulissen laufen, Statisten bis zur Erschöpfung wiederholen. Die Entstehung des Films über die Ausbeutung von Arbeitern war selbst von rücksichtsloser Ausbeutung geprägt — eine Ironie, die dem Werk anhaftet.

Thea von Harbou: Die vergessene Autorin

Man kann über Metropolis nicht sprechen, ohne Thea von Harbou zu nennen — Langs Ehefrau und die Autorin, die das Drehbuch und den zugrundeliegenden Roman schrieb. Von Harbou war eine der erfolgreichsten Drehbuchautorinnen ihrer Zeit und an fast allen großen Lang-Filmen dieser Ära beteiligt.

Ihre Geschichte ist auch eine Geschichte der Widersprüche. Während Lang vor den Nazis floh, blieb von Harbou in Deutschland und trat der NSDAP bei. Die politischen Wege des Paares trennten sich so radikal wie die Klassen in ihrem eigenen Film. Die Botschaft von Metropolis — die berühmte Schlussformel, dass zwischen Kopf und Händen das Herz vermitteln müsse — wurde von manchen später als naiv, von anderen als gefährlich versöhnlerisch kritisiert. Lang selbst distanzierte sich in späteren Jahren von dieser simplen Moral.

Die Stadt: Oben das Licht, unten die Maschine

Die Welt von Metropolis ist in zwei Hälften geteilt, so klar und so brutal wie in kaum einem anderen Film. Oben, in gleißenden Wolkenkratzern, leben die Reichen — die Denker, die Planer, die Herrscher. Sie vergnügen sich in Gärten und Sportstadien, hoch über der Stadt, im Sonnenlicht. Unten, in der Tiefe, arbeiten die Arbeiter — gesichtslos, uniform, im Gleichschritt. Sie bedienen die gewaltigen Maschinen, die Metropolis am Leben halten. Sie leben im Schatten, wo sie die Stadt niemals sehen, für die sie schuften.

Diese vertikale Trennung ist die visuelle Grundidee, die das gesamte Genre geprägt hat. Klasse als Architektur. Macht als Höhe. Ausbeutung als Tiefe. In einer der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte verwandelt sich eine Maschine in den Augen des Fabrikbesitzersohns Freder in Moloch — einen gefräßigen Götzen, der die Arbeiter als Menschenopfer verschlingt. Die Maschine frisst die Menschen. Das ist Metropolis in einem Bild.

Die Reichen bauten ihre Stadt auf dem Rücken der Arbeiter — und schauten nie nach unten, um zu sehen, worauf sie standen.

Maria und der Maschinenmensch: Der erste Roboter des Kinos

Im Zentrum der Handlung steht Maria — eine junge Frau, die den Arbeitern in den Katakomben Hoffnung predigt, Geduld, den Glauben an einen kommenden Vermittler. Sie ist die Seele der Unterwelt, die Stimme der Menschlichkeit.

Und dann erschafft der Erfinder Rotwang einen künstlichen Menschen — einen Roboter, dem er Marias Gesicht gibt. Diese falsche Maria ist eine der ikonischsten Figuren der Filmgeschichte: der Maschinenmensch, dessen metallisch schimmernde Gestalt später Design-Vorbild für unzählige Roboter wurde, von C-3PO in Star Wars bis in die Gegenwart.

Die falsche Maria ist die Verführerin, die Aufwieglerin, das Chaos in Menschengestalt. Sie hetzt die Arbeiter zum Aufstand, treibt sie zur Zerstörung der Maschinen — was beinahe ihre eigenen Kinder ertränkt, die in der überfluteten Unterstadt zurückbleiben. Der künstliche Mensch, der die Ordnung zerstört, ohne Verantwortung zu kennen: Auch dieses Motiv beginnt hier, bei Lang, und läuft von da direkt zu Blade Runner, Terminator und jeder KI-Angst der Gegenwart.

Die Wiederauferstehung eines verlorenen Films

Metropolis hat eine Geschichte, die selbst wie Fiktion klingt. Bei der Uraufführung 1927 war der Film über zweieinhalb Stunden lang. Er floppte — zu lang, zu teuer, zu befremdlich für das Publikum. Daraufhin wurde er brutal gekürzt, in verschiedenen Ländern unterschiedlich zusammengeschnitten. Ganze Handlungsstränge gingen verloren. Über Jahrzehnte existierte Metropolis nur in verstümmelten Fassungen. Man kannte einen Torso und ahnte, dass das Original größer gewesen sein musste.

Dann, 2008, geschah das Unglaubliche: In einem Filmarchiv in Buenos Aires, Argentinien, tauchte eine fast vollständige Kopie des Originalfilms auf — verkratzt, beschädigt, aber fast komplett. Über achtzig Jahre nach der Premiere konnte Metropolis endlich wieder in einer Fassung gezeigt werden, die Langs Vision nahekam. Die restaurierte Version von 2010 zeigte einen Film, den fast niemand je gesehen hatte. Ein verlorenes Meisterwerk, aus der Vergangenheit zurückgekehrt — passend für einen Film, der selbst von einer Botschaft aus der Zukunft handelt.

Warum Metropolis auf Platz 3 unserer Liste steht

Platz 3 ist eine Ehrerbietung an den Ursprung. Metropolis ist nicht der komplexeste dystopische Film, nicht der psychologisch tiefste, nicht der politisch schärfste. Seine berühmte Moral — das Herz als Vermittler zwischen Kopf und Hand — ist naiv, das wusste schon Lang selbst. Die Versöhnung von Kapital und Arbeit per Händedruck überzeugt niemanden, der die Machtverhältnisse ernst nimmt.

Aber kein anderer Film hat so viel erfunden. Die vertikale Klassengesellschaft, die menschenfressende Maschine, der künstliche Mensch, die kalte Schönheit der Zukunftsstadt, die Masse als gesichtsloses Ornament — all das beginnt hier. Metropolis ist die visuelle Grammatik der Dystopie. Jeder Film auf dieser Liste, der nach 1927 entstand, spricht diese Sprache, ob er es weiß oder nicht.

Fritz Lang hat 1927 die Zukunft erfunden. Wir leben immer noch in seinen Bildern.

Metropolis. Deutschland 1927. Regie: Fritz Lang. Drehbuch: Thea von Harbou. Hauptdarsteller: Brigitte Helm, Gustav Fröhlich, Alfred Abel, Rudolf Klein-Rogge. Restaurierte Fassung: 2010, nach dem Fund einer nahezu vollständigen Kopie in Buenos Aires 2008.

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