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Es gibt Filme, deren Zukunft inzwischen Vergangenheit ist. Soylent Green spielt im Jahr 2022. Als der Film 1973 in die Kinos kam, lag dieses Jahr ein halbes Menschenleben entfernt, weit genug für düstere Spekulation. Heute liegt es hinter uns, und das gibt dem Film eine merkwürdige neue Kraft. Man kann ihn nun mit der Wirklichkeit abgleichen, und das Ergebnis ist unbehaglich. Nicht in jedem Detail, aber im Grundton hat Soylent Green vieles getroffen, worüber wir heute reden. Klimakatastrophe, Überbevölkerung, sterbende Meere, eine Menschheit, die ihre eigene Lebensgrundlage verbraucht.
Der Film spielt in einem New York mit vierzig Millionen Einwohnern. Die Menschen leben auf Treppen, in Hauseingängen, in ausrangierten Autos. Es gibt kaum echtes Essen mehr, kaum sauberes Wasser, die Hitze ist ganzjährig und erdrückend, denn der Treibhauseffekt hat das Klima ruiniert. Die Bevölkerung ernährt sich von industriell hergestellten Rationen der allmächtigen Soylent Corporation. Die neueste, begehrteste Sorte heißt Soylent Green. Woraus sie besteht, ist das Geheimnis, das der Film am Ende lüftet, und diese Enthüllung gehört zu den berühmtesten Schlusspointen der Filmgeschichte.

Richard Fleischer und die Kunst der schäbigen Zukunft
Regie führte Richard Fleischer, ein vielseitiger Handwerker des amerikanischen Kinos, der Filme aller Genres drehte, von Abenteuerstoffen wie 20.000 Meilen unter dem Meer bis zu düsteren Kriminalfilmen. Für Soylent Green traf er eine kluge Entscheidung, die den Film bis heute wirken lässt. Er verzichtete auf glänzende Zukunftstechnik. Sein Jahr 2022 sieht nicht futuristisch aus, sondern heruntergekommen. Die Technik ist auf dem Stand der siebziger Jahre, nur alles ist älter, kaputter, überfüllter.
Diese Vision einer verfallenden statt einer fortschrittlichen Zukunft war ungewöhnlich für ihre Zeit und einflussreich für alles, was danach kam. Fleischers New York ist klaustrophobisch und schmutzig, die Menschen leben kaum besser als Tiere. Der Film macht das Elend nicht spektakulär, sondern beiläufig, und gerade das macht es glaubwürdig. Die berühmten Szenen, in denen Menschen mit Baggern wie Müll zusammengeschoben werden, wenn sie gegen die Rationierung protestieren, gehören zu den verstörendsten Bildern des dystopischen Kinos, weil sie so nüchtern inszeniert sind.
Der Film basiert lose auf dem Roman Make Room! Make Room! von Harry Harrison aus dem Jahr 1966, der auf unserer Bücherliste steht. Der Roman handelt vor allem von Überbevölkerung. Die berühmte Enthüllung über die Zusammensetzung von Soylent Green stammt nicht aus dem Buch, sondern ist eine Erfindung des Films. Auch der Titel wurde geändert, weil man fürchtete, das Publikum könnte den Originaltitel für eine Komödie halten.

Charlton Heston, der Held der kaputten Welten
Die Hauptrolle des Polizisten Robert Thorn spielt Charlton Heston, damals einer der größten Stars Hollywoods und bereits das Gesicht des dystopischen Science-Fiction-Kinos. Heston hatte zuvor in Planet der Affen den Menschen gespielt, der auf einem von Affen beherrschten Planeten strandet, und in Der Omega-Mann den letzten Überlebenden einer Seuche. Mit Soylent Green vollendete er eine Art inoffizielle Trilogie über den Menschen am Ende der Zivilisation.
Thorn untersucht den Mord an einem wohlhabenden Direktor der Soylent Corporation. Der Kriminalfall ist, wie so oft im dystopischen Kino, nur das Gerüst. Während Thorn ermittelt, entfaltet sich vor ihm und dem Zuschauer das ganze Ausmaß der gesellschaftlichen Katastrophe, und am Ende führt die Spur zu einer Wahrheit, die er lieber nicht gefunden hätte. Heston spielt Thorn als groben, zynischen Mann, der in dieser verrohten Welt selbst verroht ist, und dem doch ein Rest von Empörung geblieben ist, als er die Wahrheit erkennt.

Edward G. Robinson: Ein Abschied, der ins Werk überging
Über einer Figur des Films liegt eine Bedeutung, die weit über die Handlung hinausreicht. Edward G. Robinson, eine Legende des amerikanischen Kinos, berühmt als Gangsterdarsteller der dreißiger Jahre, spielt Sol Roth, Thorns alten Mitbewohner. Sol gehört zur letzten Generation, die sich noch an die alte Welt erinnert, an echtes Essen, an Bäume, an saubere Meere, an Bücher. Er ist das Gedächtnis der Menschheit, ein alter Mann, dessen Augen leuchten, als Thorn ihm einen echten Apfel, eine Zwiebel, ein Stück Rindfleisch mitbringt, Dinge, die er seit Jahren nicht gesehen hat.
Es war Robinsons letzte Rolle, sein einhunderterster Film, und sein Abschied. Er wusste während der Dreharbeiten, dass er unheilbar an Krebs erkrankt war. Er verriet es niemandem am Set, außer im Vertrauen seinem Kollegen Charlton Heston. Er kam nie zu spät, versäumte keine Arbeitsstunde. Und dann kam die Szene, in der seine Figur Sol beschließt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, in einer staatlichen Sterbeklinik, in der man den Menschen einen sanften, schönen Tod schenkt, begleitet von Musik und Bildern der alten, unzerstörten Erde, die es nicht mehr gibt.
Robinson spielte den Tod seiner Figur, während er selbst dem Tod nahe war. Charlton Heston, der als Einziger von der Krankheit seines Freundes wusste, weinte in dieser Szene echte Tränen. Zwölf Tage nach Abschluss der Dreharbeiten starb Edward G. Robinson. Die Sterbeszene im Film wurde zu seinem realen Abschied vom Kino und vom Leben. Wer das weiß, kann diese Szene nicht ungerührt sehen. Die Kunst und die Wirklichkeit fielen in einem Moment zusammen, wie es nur selten geschieht.
Ein alter Schauspieler spielt einen Mann, der Abschied nimmt von einer Welt, die es nicht mehr gibt, und nimmt dabei selbst Abschied. Das Kino hat wenige wahrhaftigere Momente.

Die Pointe und ihre Wahrheit
Über die berühmte Schlussenthüllung von Soylent Green soll hier nicht viel verraten werden, auch wenn sie längst in die Popkultur eingegangen ist. Nur so viel. Sie deckt auf, wie eine Gesellschaft, die ihre natürlichen Ressourcen vollständig verbraucht hat, das Problem der Ernährung ihrer Massen löst, und diese Lösung ist eine Ungeheuerlichkeit, die den Zynismus des ganzen Systems entlarvt.
Der eigentliche Schrecken der Pointe liegt nicht im Ekel, sondern in der Logik. In einer Welt, die alles verbraucht hat, in der Menschen als Masse verwaltet und wie Müll entsorgt werden, ist die Enthüllung nur der letzte, konsequente Schritt. Der Mensch wird zum Rohstoff, weil kein anderer Rohstoff mehr übrig ist. Es ist eine Dystopie über die vollständige Verdinglichung des Menschen, über eine Wirtschaft, die noch aus dem Menschen selbst Profit schlägt, wenn sonst nichts mehr da ist.

Warum Soylent Green auf Platz 24 unserer Liste steht
Weil es einer der ersten großen ökologischen Katastrophenfilme ist und weil seine Warnung mit jedem Jahr aktueller wird. Als Soylent Green 1973 erschien, war der Umweltschutz eine junge Bewegung, der Klimawandel kaum ein öffentliches Thema. Der Film sprach von sterbenden Meeren, vom Treibhauseffekt, von einer Erde, die unter der Last der Menschheit zusammenbricht, Jahrzehnte bevor diese Begriffe zum Alltag wurden. Die Pointe wurde damals von manchen als reißerisch belächelt. Heute, angesichts realer Klimadaten, ist der Spott verstummt. Der Witz, wie ein Kommentator schrieb, ist auf uns zurückgefallen.
Der Film ist nicht makellos. Seine Handlung ist stellenweise gemächlich, manche Figuren bleiben blass, und die Frauenrollen, besonders das Konzept der Frauen, die als Möbel zu den Luxuswohnungen der Reichen gehören, sind aus heutiger Sicht verstörend, wenn auch als Gesellschaftskritik gemeint. Aber die Grundvision ist von einer Wucht und einer Voraussicht, die den Film überdauern lassen.
Soylent Green stellt die Frage, die am Anfang jeder Ökodystopie steht. Was geschieht, wenn wir so weitermachen? Was passiert, wenn die Menschheit ihre Erde verbraucht, ihre Meere leert, ihre Luft vergiftet und weiter wächst, als gäbe es keine Grenzen? Die Antwort des Films ist düster. Eine Gesellschaft, die ihre Natur zerstört, zerstört am Ende auch ihre Menschlichkeit. Sie behandelt die Menschen wie das, was von der Natur übrig blieb, als Masse, als Material, als Rohstoff.
Das Jahr 2022 liegt hinter uns. Die Meere sind nicht tot, die Städte nicht auf vierzig Millionen angeschwollen, den Menschen erwartet an der Supermarktkasse keine Ungeheuerlichkeit. In diesen Details hat sich der Film geirrt. Aber im Grundton, in der Warnung vor einer Menschheit, die ihre Lebensgrundlage aufbraucht und dabei ihre Würde verliert, hat Soylent Green recht behalten, mehr, als uns lieb sein kann. Die Frist ist nicht abgelaufen. Sie ist nur verlängert.
Soylent Green. USA 1973. Regie: Richard Fleischer. Drehbuch: Stanley R. Greenberg, nach dem Roman Make Room! Make Room! von Harry Harrison (1966). Darsteller: Charlton Heston, Leigh Taylor-Young, Chuck Connors, Joseph Cotten, Edward G. Robinson. Musik: Fred Myrow. Gewann 1973 den Nebula Award und den Saturn Award. Edward G. Robinsons letzter Film, er starb zwölf Tage nach Drehschluss.
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