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The Dog Stars: Ridley Scott kehrt ans Ende der Welt zurück

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Am 28. August 2026 startet in den US-Kinos ein Film (Deutschland: 27. August 2026), auf den man bei dystopien.de aus mehreren Gründen wartet — der wichtigste: Ridley Scott, der Mann, der mit Blade Runner und Alien zwei der fundamentalsten dystopischen Werke der Filmgeschichte schuf, kehrt an das Ende der Welt zurück. The Dog Stars, im deutschen Verleih als Das Ende der Sterne angekündigt, ist seine Verfilmung des gefeierten Endzeitromans von Peter Heller aus dem Jahr 2012.

Scott selbst hat den Film als seinen besten seit Der Marsianer bezeichnet. Das ist bei einem Regisseur, der in den letzten Jahren zwischen Meisterwerken und Enttäuschungen pendelte, ein Versprechen, das aufhorchen lässt.

Und die Prämisse trifft ins Herz dessen, worum es auf dieser Seite geht: Was bleibt vom Menschen, wenn fast kein Mensch mehr übrig ist?

Die Geschichte: Ein Pilot, ein Hund, eine Stimme im Radio

Eine globale Grippe-Pandemie hat den allergrößten Teil der Menschheit ausgelöscht. Der Pilot Hig lebt in einem abgelegenen Flugzeughangar in Colorado — mit seinem Hund Jasper und einem wortkargen, hartgesottenen Überlebensexperten namens Bangley. Die beiden haben ein System: das Gelände kennen, den Perimeter verteidigen, keine Risiken eingehen. Es ist nicht warm. Aber es funktioniert.

Dann empfängt Hig auf dem Funkgerät seiner alten Cessna eine mysteriöse Übertragung. Eine Stimme, irgendwo da draußen. Ein Hinweis, dass es mehr geben könnte als die tödliche Leere jenseits des Zauns. Und Hig trifft eine Entscheidung, die den ganzen Film trägt: Er fliegt los, um der Stimme zu folgen — mit dem Wissen, dass sein Treibstoff möglicherweise nicht für den Rückweg reicht.

Es ist ein Aufbruch ins Ungewisse, angetrieben von der einzigen Sache, die in einer solchen Welt gefährlicher ist als Plünderer: Hoffnung.

Warum dieser Stoff zu Ridley Scott passt

Peter Hellers Roman wurde 2012 für etwas gefeiert, das über die übliche Endzeitspannung hinausgeht: Er balanciert das Überlebensdrama mit einer stillen Meditation über Trauer und Einsamkeit. Hig ist Witwer. Er hat in der Pandemie seine Frau verloren. Und der Roman ist im Kern weniger die Geschichte einer Katastrophe als die Frage, wie man weiterlebt, wenn alles, wofür man lebte, verschwunden ist.

Das ist ein Thema, das Scott liegt. Seine besten dystopischen Filme waren nie bloße Action — Blade Runner war eine Elegie über Sterblichkeit, verkleidet als Science-Fiction. Auch The Dog Stars stellt, wie es ein Kritiker zum Trailer formulierte, eine Frage, die schärfer ist als jeder Schusswechsel: Was passiert, wenn Überleben allein nicht mehr genug ist?

Das Drehbuch stammt von Mark L. Smith, der mit The Revenant bewiesen hat, dass er sich in unerbittlichen Landschaften auskennt und Überlebensdramen mit innerer Tiefe zu verbinden weiß. Das Budget liegt bei über 110 Millionen Dollar — Scott inszeniert die Apokalypse also nicht als Kammerspiel, sondern als großes Kino.

Die Besetzung: Elordi im Zentrum

Die Hauptrolle des Hig spielt Jacob Elordi — und das ist eine interessante Personalie. Elordi hat sich nach SaltburnPriscilla und zuletzt Frankenstein konsequent als ernstzunehmender Charakterdarsteller etabliert, weg vom Teenieschwarm-Image. Hig verlangt ihm beides ab: die körperliche Tortur des Überlebenskampfes und die emotionale Last eines Mannes, der nicht nur nach anderen Überlebenden sucht, sondern nach einem Beweis, dass die Welt noch etwas enthält, wofür es sich zu leben lohnt.

Bemerkenswert am Rande: Ursprünglich war Paul Mescal, Scotts Gladiator II-Hauptdarsteller, für die Rolle vorgesehen. Er stieg wegen Terminkonflikten mit Sam Mendes‘ Beatles-Filmreihe aus. Elordi übernahm — obwohl sein eigener Kalender mit Wuthering Heights und der dritten Staffel Euphoria ähnlich voll war.

An seiner Seite: Josh Brolin als Bangley, der militärische Survivalist, der wenig redet und nichts über seine Vergangenheit preisgibt. Margaret Qualley spielt Cima, eine Frau, die sich mit Ackerbau über Wasser hält und ihr Land gegen Eindringlinge verteidigt — eine Figur zwischen Verbündeter und Bedrohung. Ergänzt wird das Ensemble von Guy PearceBenedict Wong und Allison Janney — allesamt Darsteller, die ihre Karrieren auf Figuren gebaut haben, die sich nicht sauber in Gut und Böse einsortieren lassen. Praktisch für eine Geschichte, in der jede Begegnung Vorsicht verlangt.

Die dystopische Einordnung

The Dog Stars reiht sich in eine Tradition ein, die auf dystopien.de zentral ist: die Postapokalypse als moralisches Labor. Wenn die Zivilisation weg ist, wenn keine Gesetze, keine Institutionen, keine Gesellschaft mehr existieren — was bleibt dann vom Menschen?

Hellers Antwort, die der Film übernehmen dürfte, ist die interessanteste, die dieses Genre zu bieten hat: dass Überleben ein Instinkt ist, aber Menschlichkeit eine Entscheidung. Bangley verkörpert das reine Überleben — Misstrauen, Härte, die Reduktion des Lebens auf Verteidigung. Hig verkörpert das Risiko der Menschlichkeit — die Bereitschaft, den sicheren Hangar zu verlassen, weil ein Leben ohne Hoffnung kein Leben ist, das er führen will.

Das ist die klassische Konstellation der großen Postapokalypsen — von The Road bis The Last of Us: Zwei Haltungen zum Überleben, verkörpert in zwei Figuren, die einander brauchen und doch grundverschieden sind. The Dog Starsverlegt diesen Konflikt in die leere Weite Colorados und gibt ihm ein Flugzeug — die Möglichkeit, dem sicheren Elend zu entfliehen, um nach etwas Besserem zu suchen.

Warum sich der Blick lohnt

Weil hier ein Regisseur, der das dystopische Kino mitbegründet hat, an seine Ursprünge zurückkehrt — mit einem großen Budget, einem starken Ensemble und einem Stoff, der die richtige Frage stellt.

Ob der Film hält, was Trailer und Scotts eigenes Urteil versprechen, wird sich zeigen. Endzeitfilme scheitern oft daran, dass sie die Katastrophe spektakulärer finden als die Menschen darin. Hellers Roman war genau deshalb stark, weil er es umgekehrt hielt. Wenn Scott dieser Linie treu bleibt — wenn The Dog Stars ein Film über Trauer, Hoffnung und die Entscheidung zur Menschlichkeit wird und nicht nur über Schießereien in der Ödnis —, dann könnte das einer der dystopischen Filme des Jahres werden.

Der Hund im Titel, nebenbei, ist kein Zufall. The Dog Stars — die Hundssterne — verweist auf Sirius, den hellsten Stern am Nachthimmel, Teil des Sternbilds Großer Hund. Ein Lichtpunkt in der Dunkelheit, nach dem Seefahrer navigierten. Genau das sucht Hig: einen Fixpunkt in einer Welt, die keine Orientierung mehr bietet.

Wir werden berichten, sobald der Film angelaufen ist.

The Dog Stars (dt. Das Ende der Sterne). USA 2026. Regie: Ridley Scott. Drehbuch: Mark L. Smith, nach dem Roman von Peter Heller (2012). Mit Jacob Elordi, Josh Brolin, Margaret Qualley, Guy Pearce, Benedict Wong, Allison Janney. US-Kinostart: 28. August 2026 / Deutschland: 27. August 2026. Produktion: 20th Century Studios, Scott Free. Budget: über 110 Mio. US-Dollar.

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