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The Kitchen. Es gibt ein London in der nahen Zukunft, in dem die Stadt den Reichen gehört und sonst niemandem. Die Sozialwohnungen sind abgeschafft, die Mieten ins Unbezahlbare getrieben, die ärmeren Klassen aus der glänzenden, sterilen Metropole hinausgedrängt. Nur eine Siedlung hält noch stand, eine letzte Trutzburg der Zurückgebliebenen, und sie heißt The Kitchen. Der gleichnamige Film von 2023 erzählt von dieser Gemeinschaft und ihrem Widerstand, und er ist ein bemerkenswertes, wenn auch nicht makelloses Werk, das Regiedebüt des Oscar-Preisträgers Daniel Kaluuya und des Architekten und Kurzfilmers Kibwe Tavares.
Es ist ein Film mit einer starken Vision und einem großen Herzen, der dort schwächelt, wo man sich mehr Mut und mehr Tiefe gewünscht hätte. Ein Film, der eine faszinierende Welt baut und sie dann nicht ganz ausschöpft. Sehenswert, aber mit spürbaren Grenzen.

Die Welt und ihre Macher
Daniel Kaluuya, bekannt als Schauspieler aus Get Out und als Oscar-Gewinner für Judas and the Black Messiah, hat The Kitchen mitgeschrieben, mitproduziert und gemeinsam mit Kibwe Tavares inszeniert. Die Idee reicht fast ein Jahrzehnt zurück, sie entstand aus einem Gespräch im Friseursalon, und das Anliegen ist persönlich und politisch zugleich. Kaluuya wollte, wie er sagte, eine Geschichte über Ungleichheit, Vaterschaft, Klasse, über die Frage, was Fürsorge bedeutet, im eigenen Zuhause wie in der Gesellschaft, und über die Gefahr, die darin liegt, gleichgültig zu werden gegenüber allem um uns herum.

Die Welt, die daraus entstand, ist das Beste am Film. London im Jahr 2044, von Gentrifizierung vollständig durchgefressen, eine kalte, glatte Milliardärsspielwiese, der die Armen nur noch als Störung gelten. Dagegen die Kitchen, ein überbevölkerter, heruntergekommener Wohnblock, in dem der Strom selten funktioniert, die Duschen lange Schlangen bilden und die Bewohner brutalen Polizeirazzien ausgesetzt sind. Und doch ist dieser Ort, so elend er ist, das letzte Refugium echter Menschlichkeit, der Gemeinschaft, des Zusammenhalts in einer entmenschlichten Stadt. Die Weltkonstruktion ist glaubwürdig, atmosphärisch dicht, visuell beeindruckend, man merkt Tavares den Architekten an. Ein geistiger Anführer der Gemeinschaft, Lord Kitchener gesprochen von Ian Wright, hält über einen Piratenradiosender den Widerstand und den Zusammenhalt am Leben. Der Name ist eine Verbeugung vor dem Calypso-Sänger, der 1948 mit der Empire Windrush nach London kam, ein Verweis auf die Geschichte der karibischen Einwanderung nach Großbritannien.

Erst wirkt die Kitchen wie ein Ort, den man nur verlassen will. Dann begreift man, dass sie das Einzige ist, was in dieser Stadt noch wert ist, verteidigt zu werden.

Wo der Film schwächelt
Und hier beginnen die Einwände, denn so stark die Welt ist, so sehr hakt es an ihrer Ausgestaltung. Der Film ist stellenweise zu langatmig. Das beginnt schon beim Schnitt, der in den ersten Sekunden fast abgefilmte Standbilder aneinanderreiht, eine stilistische Entscheidung, die man nicht hätte treffen müssen und die das Tempo von Anfang an bremst. Der Film wählt bewusst die ruhige, dramatische Gangart statt der Action, und das ist legitim, aber es kostet Spannung, wo mehr Dynamik möglich gewesen wäre.

Schwerer wiegt, dass der Plot in der Tiefe schwächelt. Die faszinierendsten Elemente der Welt bleiben unterentwickelt. Da ist etwa eine Firma namens Life After Life, deren Rolle der Film nur andeutet, ohne sie wirklich auszuleuchten. Hier hätte deutlich mehr Stoff gesteckt, man denkt unweigerlich an die großen Konzern-Dystopien, an die Verwertung des Menschen selbst, an Soylent Green, aber der Film verfolgt die Spur nicht konsequent. Auch der Radio-Moderator, der zum Märtyrer des Widerstands wird, ist in seiner Entwicklung vorhersehbar. Und genau an dem Punkt, an dem es wirklich interessant würde, nämlich bei der Frage, warum niemand seinen Platz einnimmt, ob der Widerstand ohne seine Stimme weiterlebt, bricht der Film das Interesse ab. Denn für die beiden Hauptfiguren, was mit ihnen genau passiert spoilern wir nicht, ist diese Frage zweitrangig, ihre persönliche Heldenreise endet mit dem Film.

Das ist die eigentliche verpasste Chance. Eine Tanzszene, ein Aufbegehren, eine Revolution, all das wird angedeutet und wäre ausbaufähig gewesen, aber der Film verfolgt es nicht. Ob das Budget zu klein war oder die Entscheidung bewusst fiel, bleibt offen. Statt die politische Eskalation auszuspielen, verlegt sich The Kitchen ganz auf die emotionale Ebene, wird deutlich mehr zum Dystopie-Drama über eine menschliche Beziehung als zum Film über den Aufstand, den seine Welt verspricht. Für manche ist das die Stärke, die intime, menschliche Geschichte im großen Szenario. Für andere, und dazu lässt sich mit guten Gründen zählen, ist es das Ausweichen vor dem größeren, aufregenderen Film, der in dieser Welt angelegt war.

Und ja, die Schauspieler hätten deutlicher sprechen können. Das genuschelte, dialektgefärbte britische Englisch passt zwar hervorragend ins Setting, es verankert die Figuren in ihrer Welt und ihrer Herkunft, aber es macht das Verständnis stellenweise schwer. Eine Gratwanderung zwischen Authentizität und Zugänglichkeit, die der Film nicht immer meistert.

Das Ende, das funktioniert
Ein Wort zum Schluss, und zwar im positiven Sinn. The Kitchen endet offen, aber anders als manch anderer aktueller Netflix-Film, der den Zuschauer mit einem abrupten Abbruch ratlos zurücklässt, ist der Cliffhanger hier sinnvoller umgesetzt. Das Ende erwächst organisch aus der Entscheidung der Figuren, es ist der konsequente Abschluss ihrer persönlichen Reise, nicht das willkürliche Streichen des zweiten Akts. Man mag sich wünschen, dass die Geschichte weiterginge, dass man sähe, was aus der Kitchen und ihrem Widerstand wird. Aber das offene Ende hinterlässt kein Gefühl der Täuschung, sondern eines der Nachdenklichkeit. Die Figuren haben ihren Bogen vollendet, die Welt bleibt offen. Das ist der richtige Weg, ein offenes Ende zu gestalten.

Was bleibt
The Kitchen ist ein ambitioniertes, visuell starkes, politisch aufrichtiges Debüt, dem man die Herzensangelegenheit seiner Macher in jeder Einstellung anmerkt. Als Studie über Gemeinschaft, über Zusammenhalt in der Bedrängnis, über das, was ein Zuhause ausmacht, wenn die Gesellschaft es einem nehmen will, funktioniert er bewegend und überzeugend. Als großer Dystopie-Film, der seine faszinierende Welt voll ausschöpft und die aufregenden Fragen stellt, die in ihr stecken, bleibt er hinter seinen Möglichkeiten.
Es ist ein Film, der mehr hätte sein können, und gerade das macht ihn interessant. Die Welt ist da, die Themen sind da, das Talent ist unübersehbar da. Was fehlt, ist der Mut oder das Budget, die große Geschichte zu Ende zu erzählen, die diese Welt verdient hätte. Die Konzern-Dystopie um Life After Life, der Aufstand nach dem Märtyrertod, die Revolution, die sich andeutet, all das bleibt Skizze. Übrig bleibt ein stilles, emotionales Drama in einer passenden, stilvoll gebauten Kulisse.
Für Kaluuya und Tavares ist das ein vielversprechender Anfang. Man sieht, was sie können, und man ahnt, was sie noch könnten. The Kitchen ist das Versprechen eines größeren Films, von Regisseuren, von denen man hoffentlich noch viel sehen wird. Diesmal hat die Welt das Drama getragen. Beim nächsten Mal, so wünschen wir uns, trägt das Drama die ganze Wucht der Welt.
The Kitchen. Großbritannien 2023. Regie: Kibwe Tavares und Daniel Kaluuya. Drehbuch: Daniel Kaluuya und Joe Murtagh. Darsteller: Kane Robinson, Jedaiah Bannerman, Ian Wright, Hope Ikpoku Jr. Kamera: Wyatt Garfield. Produktion: DMC Film, Film4, Factory Fifteen für Netflix. Premiere beim BFI London Film Festival im Oktober 2023, auf Netflix seit Anfang 2024. Spielt in London im Jahr 2044.
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