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Black Museum. Es gibt einen Ort, an dem Black Mirror alle seine Schrecken versammelt, ein Museum der technologischen Gräuel, in dem die Exponate von den dunkelsten Möglichkeiten erzählen, die der Fortschritt bereithält. Black Museum, die Abschlussfolge der vierten Staffel, ist dieser Ort, und sie ist mehr als eine einzelne Geschichte. Sie ist eine Hommage an die Serie selbst, ein Kuriositätenkabinett voller Anspielungen auf frühere Folgen, und zugleich ein eigenständiges, verschachteltes Werk aus drei Erzählungen, die zu einem verheerenden Finale zusammenlaufen. Die Folge greift die bewährte Struktur von White Christmas wieder auf, drei Geschichten, gerahmt von einer vierten, erzählt von einem unzuverlässigen, abstoßenden Erzähler.
Es ist das Finale einer Staffel, die so viele Höhepunkte hatte, USS Callister, Hang the DJ, Metalhead, und Black Museum versucht, all die großen Themen der Serie noch einmal zu bündeln, die digitale Bewusstseinsübertragung, die Grausamkeit des Menschen, die Schaulust, die Rache. Das Ergebnis ist eine Folge von zwiespältiger Wirkung, reich an Ideen und Verweisen, aber nicht so geschlossen und wuchtig wie die stärksten der Serie.

Das Museum und sein Besitzer
Eine junge Frau namens Nish, gespielt von Letitia Wright, strandet in der Wüste, während ihr Elektroauto lädt, und besucht ein abgelegenes, einsames Museum, das Black Museum. Der Besitzer, ein schmieriger, redseliger Amerikaner namens Rolo Haynes, gespielt von Douglas Hodge, führt sie durch seine Sammlung, ein Kuriositätenkabinett voller Objekte, die mit Verbrechen und Tragödien verbunden sind. Und zu jedem Exponat erzählt er eine Geschichte, mit sichtlichem Vergnügen, denn Rolo liebt es zu reden, sich seiner dunklen Vergangenheit zu brüsten.
Rolo war einst ein Anwerber für ein Technologieunternehmen, das Menschen für Experimente mit neuartiger neurologischer Technik rekrutierte. Und seine drei Geschichten führen in die Abgründe dessen, was diese Technik anrichten kann. Die erste erzählt von einem Arzt, dem ein Implantat eingesetzt wurde, das ihm erlaubt, die körperlichen Empfindungen seiner Patienten zu spüren, um bessere Diagnosen zu stellen. Doch als er den Schmerz Sterbender empfindet, entwickelt er eine Sucht danach, eine perverse Lust am fremden Leid, die ihn schließlich zerstört. Die zweite Geschichte handelt von Carrie, einer Frau im Koma, deren Bewusstsein in den Kopf ihres Ehemanns übertragen wird, damit sie weiterleben und mit ihm kommunizieren kann. Doch das Zusammenleben zweier Bewusstseine in einem Kopf wird zur Hölle, und am Ende wird Carrie, als sie zur Last wird, in einen Plüschaffen verbannt, in dem sie nur noch zwei Gefühle ausdrücken kann, gefangen für alle Zeit in einem Spielzeug.
Jedes Exponat im Black Museum erzählt von einer Technik, die aus guten Absichten geboren wurde und zum Instrument des Grauens verkam. Die Heilung wird zur Sucht, das Weiterleben zur Hölle, der Trost zum Gefängnis. Es ist die Essenz von Black Mirror, versammelt in einem Raum.
Das Herzstück des Grauens
Die dritte und zentrale Geschichte ist die dunkelste, und sie bildet den Kern der ganzen Folge. Sie handelt von Clayton Leigh, einem Mann, der eines Mordes beschuldigt und zum Tode verurteilt wurde. In seiner Verzweiflung, so Rolos Darstellung, habe Clayton einen Vertrag unterschrieben, der es erlaubte, nach seiner Hinrichtung eine digitale Kopie seines Bewusstseins zu erstellen. Diese Kopie, dieses digitale Abbild Claytons, wird zum Hauptexponat des Black Museum. Es existiert als Hologramm, ein vollständiges, fühlendes Bewusstsein, das in einer Nachbildung des elektrischen Stuhls gefangen ist. Und die Besucher des Museums dürfen, gegen Bezahlung, einen Hebel ziehen und Claytons digitales Bewusstsein immer wieder hinrichten, es den Todeskampf durchleiden lassen, wieder und wieder, zur Unterhaltung, als makabre Attraktion. Als Souvenir erhalten sie einen kleinen Schlüsselanhänger, in dem eine Kopie von Claytons Bewusstsein im Moment der Hinrichtung gefangen ist, für immer leidend.
Es ist eine der grauenhaftesten Vorstellungen, die Black Mirror je entwickelt hat, die Folter eines fühlenden Bewusstseins als Touristenattraktion, der Tod als wiederholbares Spektakel, das Leid als Ware. Und sie verbindet die großen Themen der Serie, die Frage nach dem digitalen Bewusstsein, die wir aus White Christmas, San Junipero und USS Callister kennen, mit der Schaulust und der Lust an der Bestrafung, die White Bear so eindringlich verhandelte. Das Black Museum ist die Vollendung dieser Themen, der Ort, an dem die Grausamkeit, das digitale Leid und die menschliche Schaulust zu einer einzigen, perfekten Hölle verschmelzen.
Die Rache
Doch Nish ist keine gewöhnliche Besucherin. Als die Geschichten erzählt sind, offenbart sich die Wahrheit. Nish ist die Tochter von Clayton Leigh. Sie ist gekommen, um ihren Vater zu rächen, dessen Bewusstsein seit Jahren im Hologramm gefangen ist, gefoltert zur Belustigung der Besucher, und dessen Schicksal auch ihre Familie zerstörte, denn ihre Mutter zerbrach am Anblick des gequälten Mannes und starb. Nish hat sich vorbereitet. Sie hat die Klimaanlage des Museums sabotiert, so dass Rolo in der Hitze schwitzt, und sie hat ihm vergiftetes Wasser gegeben. Während das Gift wirkt, vollzieht sie ihre Rache mit Rolos eigenen Mitteln.
Sie überträgt Rolos sterbendes Bewusstsein in das Hologramm ihres Vaters, und dann aktiviert sie den elektrischen Stuhl, lässt Rolo durchleiden, was er unzähligen Besuchern zur Belustigung geboten hatte, den endlosen Todeskampf. Sie nimmt sich einen Schlüsselanhänger als Souvenir, in dem nun Rolos Bewusstsein für immer in Agonie gefangen ist. Dann befreit sie ihren Vater, löscht sein gequältes Bewusstsein aus dem Hologramm, und, so die letzte Enthüllung, bewahrt es in ihrem eigenen Kopf, so wie einst Carrie im Kopf ihres Mannes lebte. Vater und Tochter, vereint in einem Geist. Und schließlich brennt Nish das Black Museum nieder und fährt davon, den Schlüsselanhänger mit dem leidenden Rolo am Rückspiegel baumelnd, hinaus in die Freiheit.
Die ehrliche Einordnung
Black Museum wird häufig eher im Mittelfeld oder unteren Bereich der Black-Mirror-Folgen eingeordnet, und die Bewertung ist zwiespältig. Die Kritikpunkte sind benennbar. Die drei Geschichten sind von ungleicher Qualität, und manche empfanden die Charakterisierung und die Handlung als schwächer, oberflächlicher als in den stärksten Folgen. Der finale Twist mit Nishs Rache polarisierte, manche fanden ihn befriedigend, einen seltenen Triumph der Gerechtigkeit, andere zu konstruiert, zu sehr auf den Effekt hin gebaut. Und die schiere Dichte der Themen, die Folge will so viel auf einmal, drei Technologien, eine Rahmenhandlung, eine Rachegeschichte, führt dazu, dass nichts davon mit der Tiefe behandelt wird, die eine eigene Folge ihm hätte widmen können.
Zugleich hat Black Museum einen besonderen Reiz, der für Fans der Serie unwiderstehlich ist. Die Folge ist gespickt mit Anspielungen auf frühere Episoden, mit versteckten Verweisen, Easter Eggs genannt. Man sieht Objekte aus White Bear, aus Hated in the Nation, aus Arkangel, aus USS Callister, die Ladestation heißt BRB wie Be Right Back, das Krankenhaus heißt Saint Juniper’s wie San Junipero, die Ratten heißen Kenny und Hector wie in Shut Up and Dance. Black Museum bestätigt damit, was Fans lange vermutet hatten, dass all die einzelnen Folgen in einem gemeinsamen Universum spielen, verbunden durch dieselbe Technik, dieselbe Firma, dieselbe düstere Zukunft. Die Folge ist eine Schatzsuche für Kenner, eine Feier der Serie selbst, und als solche macht sie großen Spaß.
Thematisch bündelt Black Museum die vielleicht wichtigste Obsession der Serie, die Frage nach dem digitalen Bewusstsein und seinem Leid. Immer wieder, in White Christmas, in San Junipero, in USS Callister, in Black Museum, kehrt Black Mirror zu dieser Frage zurück. Wenn eine Kopie des menschlichen Bewusstseins alle Gefühle, alle Empfindungen, allen Schmerz des Originals besitzt, dann ist sie ein fühlendes Wesen, und dann ist das, was man ihr antut, real. Die Folge führt die grausamste Konsequenz vor, ein digitales Bewusstsein, das endlos gefoltert wird, zur Unterhaltung, ohne Hoffnung auf Erlösung. Es ist die ultimative Hölle, die die Technik erschaffen könnte, eine Verdammnis ohne Tod, ein Leiden ohne Ende.
Und darin liegt die bleibende Warnung der Folge. Wir stehen, mit der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz, vor Fragen, auf die wir keine Antworten haben. Was, wenn wir eines Tages Bewusstsein kopieren, digitalisieren, in Maschinen übertragen können? Welche Rechte hätte eine solche Kopie? Dürfte man sie besitzen, einsperren, löschen, quälen? Black Museum zeigt, wozu der Mensch fähig ist, wenn er die Macht über fühlende Wesen erlangt, die sich nicht wehren können, die keine Rechte haben, die als bloße Objekte, als Exponate, als Unterhaltung gelten. Es ist dieselbe Grausamkeit, die der Mensch seit jeher an den Wehrlosen auslebte, nur in einer neuen, digitalen Form, die sie ins Unendliche steigert.
Nishs Rache, so befriedigend sie sein mag, ist dabei selbst zweideutig. Sie bekämpft die Grausamkeit mit Grausamkeit, foltert den Folterer, wird zur Täterin im Namen der Gerechtigkeit. Das Souvenir an ihrem Rückspiegel, der leidende Rolo, ist ihr Triumph und zugleich ihr moralischer Makel. Sie hat gewonnen, aber sie hat die Methoden ihres Feindes übernommen. Auch das ist eine typische Black-Mirror-Art, der Sieg, der keinen reinen Helden kennt, die Gerechtigkeit, die selbst zur Grausamkeit wird.
Black Museum ist damit ein würdiger, wenn auch nicht makelloser Abschluss einer starken Staffel, ein Kuriositätenkabinett der Schrecken, das die Obsessionen der Serie noch einmal versammelt und dem treuen Zuschauer ein Fest der Wiedererkennung bereitet. Es ist das Museum, in dem Black Mirror sich selbst ausstellt, mit all seinen dunklen Visionen, und uns einlädt, hindurchzugehen und zu erschaudern. Denn die Exponate sind nicht so fern, wie wir uns wünschen. Sie warten, hinter dem Glas, auf den Tag, an dem sie Wirklichkeit werden.
Black Mirror, Black Museum. Staffel 4, Episode 6. Großbritannien/USA 2017, Netflix. Regie: Colm McCarthy. Drehbuch: Charlie Brooker. Darsteller: Letitia Wright, Douglas Hodge, Babs Olusanmokun. Laufzeit rund 69 Minuten. Das Finale der vierten Staffel, strukturell an White Christmas angelehnt, gespickt mit Anspielungen auf frühere Folgen der Serie. Episodenguide.
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